Diskurs HBR/MIT Sloan/McKinsey: Gelassenheit & kognitive Stabilität
Viral gehender Artikel zur „Gelassenheits-Minderheit“
Am 15. Februar 2026 erschien der vielgeteilte Beitrag „The Most Underrated Leadership Skill No One Trains For(opens in a new tab)“ auf Substack von Andreas Lehner. Er baut auf dem MIT-Sloan-Artikel von Lynda Gratton „Calm: The Underrated Capability Every Leader Needs Now(opens in a new tab)“ auf, der in der MIT Sloan Management Review veröffentlicht wurde.
Kernaussagen des Substack-Artikels: In Führungskräftetrainings schätzen Manager sich bei „Meisterschaft“ und Produktivität hoch ein – „Gelassenheit“ wird aber konsistent als schwächste Fähigkeit benannt. Gratton identifiziert eine „Gelassenheits-Minderheit“ von ca. 10% der Führungskräfte, deren kognitive Leistungsfähigkeit auch unter Druck stabil bleibt – ihr Denken bleibt „online“, ohne in Fight-or-Flight-Modus zu fallen. Organisationale Realität arbeitet häufig gegen Gelassenheit: Meeting-Dichte, Always-On-Kommunikation, fehlende Denkräume und eine Kultur, die sichtbare Geschäftigkeit belohnt, erodieren gezielt diese Ressource.
MIT Sloan & Leadership-Trends 2026
Der Originalartikel von Lynda Gratton beschreibt Gelassenheit als trainierbare Fähigkeit, eng verbunden mit Energie-Management, bewusster Pausengestaltung und der Fähigkeit, Komplexität ohne Flucht in „Fight or Flight“ zu halten. Die „Gelassenheits-Minderheit“ entsteht durch drei Pfade: Heritage (kulturelle Prägung), Personality (Temperament) und Experience (gelernte Praktiken wie Atmung oder somatische Signale).
MIT SMR und verwandte Formate zeigen: Führung verschiebt sich von „Command & Control“ zu verteilter, beziehungsorientierter Führung – Gelassenheit ist dafür Basis, nicht „Nice-to-have“. Der DDI-Report „Leadership Trends 2026(opens in a new tab)“ dokumentiert hohe Stressbelastung bei Führungskräften, Burnout-Risiken und schwache Leadership-Pipelines – Gelassenheit erscheint als Engpassressource.
Implikationen für Organisationsentwicklung
Der Diskurs verschiebt sich von „einige sind halt gelassen, andere nicht“ zu einer Design-Frage: Inwieweit unterstützt oder sabotiert die Organisationsarchitektur kognitive Stabilität?
Konkrete Designhebel:
- Kalender-Architektur: Harte Regeln für Meeting-Dichte, Fokus-Zeiten und asynchrone Arbeit (z. B. „Meeting-freie Vormittage für alle Führungspersonen einmal pro Woche“).
- Entkopplung von Präsenz und Leistung: Kultur-Incentives weg von sichtbarer Hektik („lange Online-Zeiten“) hin zu Qualität von Entscheidungen und Klarheit der Kommunikation.
- Gelassenheit als Auswahl- und Entwicklungskriterium: In Leadership-Programmen explizite Module zu Druckregulation, somatischer Selbstwahrnehmung und „Cognitive Stability“ aufnehmen; Gelassenheits-Kompetenz beobachten und fördern wie jede andere Führungsfähigkeit.
Über den Autor

Kevin Rassner ist Experte für angewandte Organisationsentwicklung und begleitet Unternehmen bei Transformationsprozessen zwischen Strategie, Führung und Kultur. Er verbindet über zehn Jahre Führungserfahrung mit einem systemischen Blick auf wirksame Zusammenarbeit.
Über den Autor
Kevin Rassner ist Experte für angewandte Organisationsentwicklung und begleitet Unternehmen bei Transformationsprozessen zwischen Strategie, Führung und Kultur. Er verbindet über zehn Jahre Führungserfahrung mit einem systemischen Blick auf wirksame Zusammenarbeit.
